BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN- Hebammen brauchen schnelle Lösungen
Mit der Erhöhung der Haftpflichtprämien für Hebammen zum 01. Juli 2010 auf 3689 Euro wird der Berufsstand der Hebammen massiv gefährdet. Doch nicht allein die hohen Haftpflichtprämien sind für Thüringer Hebammen ein existenziell bedrohliches Problem. Hebammen in Thüringen werden trotz ihrer hohen Verantwortung schlecht bezahlt und leiden teilweise unter schlechten Arbeitsbedingungen.
" Das betrifft nicht nur freiberuflich tätige Hebammen, sondern auch die Hebammen in den Kranken- und Geburtshäusern. Auch angestellte Hebammen kommen teilweise nur auf ein Bruttogehalt von 1250 Euro im Monat. Dieses Gehalt wird in keiner Weise der hohen Verantwortung, die Hebammen tragen, gerecht", so Landessprecherin Madeleine Henfling.
Hinzu kommen Stellenabbau in den Kliniken und gerade jetzt in den Sommermonaten sind die Geburtstationen dünn besetzt. Teilweise betreuen Hebammen drei Geburten gleichzeitig. Viele sind überlastet und leiden gar am Burnout-Syndrom.
Erschreckend hoch ist die Zahl der Kinder in Thüringen die durch einen Kaiserschnitt zur Welt kommen. Waren es 1991 noch 1737 Kaiserschnitte sind es 2008 schon 4127 Kaiserschnitte. Ingesamt sind 2008 29,1 % der Entbindungen mit geburtshilflichen Methoden wie Zangengeburt, Saugglocke oder eben durch Kaiserschnitt erfolgt. Im Vergleich, 1991 waren es 16,4%. Diese Entwicklung geht einher mit der Schließung von Geburtstationen in Krankenhäusern. Zum Vergleich, 1991 waren es noch 35 Entbindungen in Thüringen, 2008 nur noch 24 (Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik)
" Hier steht nicht nur die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung mit Geburtshilfe durch Hebammen auf dem Spiel. Auch die selbstbestimmte Geburt ist durch die steigende Anzahl von Kaiserschnitten jetzt schon eingeschränkt. In Deutschland hat jede Frau das Recht auf eine selbstbestimmte Geburt, egal ob im Krankenhaus, Geburtshaus oder zu Hause. Dieses Recht ist nur mit der flächendeckenden Versorgung durch Hebammen umzusetzen. Die Bundesregierung, aber auch das Land Thüringen und die Thüringer Kommunen müssen hier handeln und die schlechten Arbeitsbedingungen und die teilweise miserable Bezahlung der Hebammen beheben. Bei der Geburt eines Kindes dürfen Effizienzdenken und Wirtschaftlichkeit nicht im Vordergrund stehen. Ein nicht Eingreifen in den momentanen Trend halte ich für fahrlässig", so Madeleine Henfling abschließend.
Madeleine Henfling
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