Thüringer Grüne machen sich stark für Kulturerhalt im ländlichen Raum

09.07.2013 Beschluss

Gerade in Zeiten knapper werdender öffentlicher Mittel werden wir zukünf­tig noch öfter Prioritäten setzen müssen. Der ländliche Raum, der in Thüringen immerhin 94 % der Fläche ausmacht und in dem ca. 80 % der Thüringer leben, wird sich in den kommenden Jahrzehnten auf Grund des demographischen Wandels zum Teil dras­tisch verändern. Der Bevölke­rungsrückgang ist in einigen Gebieten nicht mehr auf­zuhalten, aber wir können und sollten den demographischen Wandel gestalten. Dazu gehört auch die Überlegung, dass eine Region vor allem auch dann attraktiv für Menschen ist, wenn sie eine wohnortnahe kulturelle Infrastruktur aus Theatern, Museen oder Bibliotheken bereithält. Identität erwächst nicht nur aus Arbeitsplät­zen, Einkommensverhältnissen und Konsumangeboten. Menschen brauchen Kultur, um sich heimisch zu fühlen, um guten Gewissens hier Kinder zu bekommen und selbst alt zu werden - schlicht, um auch in diesen sich stark verändernden Regionen eine Perspektive zum Bleiben zu haben.

Der Kulturbereich macht auf Landesebene gerade einmal 1,5 % Prozent der Landes­ausgaben aus. Er ist zur Sanierung des Thüringer Landes­haushaltes deshalb denkbar ungeeignet.

Auch in den zum Teil seit Jahrhunderten gewachsenen kulturellen Strukturen in Thüringen werden wir Veränderungen erleben, aber wir müssen uns als Grüne stark dafür machen, dass diese kulturelle Infra­struktur gerade auch außerhalb der größe­ren Städte trotz eines zuneh­menden Kostendrucks in ihrer Vielfalt erhalten werden kann. Gerade in den kleinstädtisch und ländlich geprägten Räumen erfüllen die Kreativen, die in diesen Strukturen arbeiten, mehrere Funktionen. Sie werden als wichtige ImpulsgeberInnen für die notwendigen Veränderungen im Bezug auf den demographischen Wandel dringend gebraucht. Und sie prägen schon heute die kul­turelle Identität in hohem Maße, indem Orchester­musikerInnen in den Musikschulen unterrichten, MuseumsmitarbeiterInnen das Angebot der Volkshochschulen berei­chern oder sich KünstlerInnen in die Vereinsarbeit mit Kindern und Senioren ein­bringen. In den letzten Jahren haben Kulturakteure bereits vielfältige Strategien entwickelt, um auch einen weiten Einzugsbereich in der Fläche zu erreichen (Thea­terbusse etc.). Fallen noch weitere Theater und Kultureinrichtungen in den kleine­ren Städten der Rotstiftpolitik des Freistaates und der Kurzsichtigkeit der Kommu­nalpolitiker vor Ort zum Opfer, kommt das einem kulturellen Kahlschlag in der Flä­che gleich, der nicht im Sinne der Idee eines "guten Lebens" sein kann, für das wir Grüne uns einsetzen.

Grüne Politik hat sich in den letzten Jahren ein hohes Maß an Glaubwürdig­keit erar­beitet. Das gilt auch und gerade für grüne Finanz- und Haushalts­politik. Wir wen­den uns an dieser Stelle ganz klar gegen eine Politik, die allen alles verspricht. Wir sollten aber andererseits auch immer wieder die Logik der sogenannten Sachzwän­ge hinterfragen und vorherrschende Denkschablonen durchbrechen. Kulturgüter und kulturelle Einrichtungen sind nicht nur Standortfaktoren und Teile der örtli­chen Infrastruktur. Im Entwurf unseres aktuellen Bundestagswahlprogramms postu­lieren wir Grünen: "Kunst und Kultur ermöglichen es uns, die Welt anders zu sehen, anders zu hören, anders zu denken. Kunst und Kultur sind ein elementarer Ausdruck von Freiheit und Selbstbestimmung. Sie sind ein entscheidendes Feld sozialer Teil­habe. Und sie sind ein wichtiger Impulsgeber für Verände­rung."

Deshalb muss es das Ziel Grüner Kulturpolitik sein, die Kulturfinanzierung auf eine solide, langfristig verlässliche Basis zu stellen und den Spielraum für kulturelle In­itiativen zu erhalten und auszubauen.

 

Grüne Landes- und Kommunalpolitiker werden sich trotz knapper Budgets für den langfristigen Erhalt der kulturellen Strukturen im ländlich gepräg­ten Raum einset­zen.

Grüne Kulturpolitik wird insbesondere im ländlichen Raum zusammen mit Bildungs-, Sozial- und Wirtschaftspolitik gedacht und entsprechend im Landtagswahlprogramm 2014 verankert.

Im Zusammenhang mit den Diskussionen um die in Thüringen anstehende Gebiets- und Verwaltungsreform sollen die Kosten von Kultureinrichtungen in den Regionen auf breitere Schultern verteilt werden und so die Finanzie­rung von kulturellen An­geboten im ländlichen Raum zukunftsfest gemacht werden.

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