Diestels Sonnengarten - mein fast philosophischer Besuch einer soldarischen Landwirtschaft

13.10.2016

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Um es vornweg zu sagen: Jede solidarische Landwirtschaft (Insider*innen nennen das Konzept SoLaWi) ist anders. Aber die Idee dahinter ist immer die, dass sich Produzenten - also Gärtner*innen - mit Konsument*innen - also Menschen, die gern Gutes essen - zusammentun und gemeinsam eine Landwirtschaft betreiben. Meist ist der Beitrag der Abnehmer*innen schlicht eine vorab fürs Jahr fest verabredete finanzielle Beteiligung. Die Gärtner*innen bauen dafür das ganze Jahr Gemüse und Obst an und teilen die Ernte dann mit den Abnehmer*innen. Manchmal helfen die auch zeitweise bei Beikrautentfernung oder Ernte. Aber das ist nicht zwingend Teil der Verabredung, sondern ein Angebot, dass Menschen, denen Landwirtschaft eher fremd ist, eigene Erfahrungen im Garten machen können. Die Verteilung der Produkte erfolgt über Abnehmergemeinschaften, damit auch der Transport der Lebensmittel möglichst ökologisch abgewickelt werden kann. Solidarisch wird das Ganze auch dadurch, dass das jeweils Vorhandene Woche für Woche zwischen den Abnehmer*innen geteilt wird. Niemand kann so im Vorhinein auf 5 Kilo Tomaten, 3 Kürbissen oder 3 Stiegen Äpfeln bestehen. Denn ob und wie viel geerntet werden kann hängt viel vom Geschick der Gärtner*innen, den Böden und den Witterungsverhältnissen ab.

Die solidarische Landwirtschaft Diestels Sonnengarten, die ich kürzlich in der Nähe von Kahla besuchte, baut ihr Obst und Gemüse auch noch biologisch dynamisch an. Fruchtfolge, samenfeste Sorten und natürlicher Dünger sind wesentliche Faktoren für eine schmackhafte Ernte. Der Gang über die Gemüsefelder bei herbstlichen Temperaturen und Nieselregen ist mehr als abwechslungsreich. Es wachsen übers Jahr hier ca. 40 verschiedene Sorten Gemüse, auch ungewöhnliche alte Sorten, die ich nicht auf den ersten Blick erkenne. Wichtig ist die Lagerfähigkeit so mancher Rübe oder Kohlsorte, damit die Abnehmer*innen auch im Winter noch beliefert werden können. Alte Kellergewölbe im Hofgelände, in denen bei meinem Besuch auch Fledermäuse entspannt von der Decke baumelten, dienen dann der Lagerung. Vieles wird aber auch direkt nach der Ernte an die Abnehmer*innen geliefert, die dann z.B. ihre Kürbisse bei sich noch einlagern.

Sebastian, der Gärtner, der die Landwirtschaft hier vor ein paar Jahren mit begründete, kennt das Konzept SoLaWi schon länger und hat vorher schon auf anderen Höfen gearbeitet. Er erzählt voller Begeisterung von seinem Beruf und seiner Beziehung zu den Pflanzen, von Verantwortung gegenüber den Böden und den Menschen, von einer anderen Art des Wirtschaftens und von Beziehungen zu den Menschen, die sein Obst und Gemüse essen. Ein Marketinginstrument ist solidarische Landwirtschaft für ihn auf keinen Fall, sondern eher ein Lebenskonzept des Teilens.

Dass alles, was man später auf dem Tisch hat, nicht nur mit Liebe aufgezogen und Bio ist, sondern selbstverständlich auch gerade Saison hat, macht mir Lust auf dieses Konzept. Allerdings muss ich mir in Rudolstadt noch ein paar Mistreiter*innen suchen, denn momentan gibt es von Diestels Sonnengarten nur Abnehmergemeinschaften in Weimar, Jena und Erfurt. Aber das kann sich ja vielleicht demnächst noch ändern!

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