Wanderung durch den gefährdeten Possenwald

21.02.2017

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Graugrün reiht sich Rotbuche an Rotbuche, zwischendrin orangebraune Tupfer von altem Laub. Letzte Reste Schnee verharren auf dem matschigen Boden. Es ist still, nur hier und da ein Knacken im Unterholz, ein Rascheln. Und der matschige Boden, der unter unseren Füßen schmatzt. Am Samstag, den 18. Februar 2017, wanderten wir gemeinsam mit Landessprecherin Stephanie Erben und den Landtagsmitgliedern Babett Pfefferlein, Olaf Müller und Roberto Kobelt durch den Possenwald. Dirk Trute von der Bürgerinitiative "ProKyffhäuserwald" führte unsere Gruppe aus rund 20 Personen durch den noch kahlen Rotbuchenwald. Genauer genommen durch den Teil des Waldes, der ein Waldwildnisgebiet werden soll.

Denn obwohl der Wald zunächst an manchen Stellen noch idyllisch wirkt, ist von Wildnis keine Spur. Die Gefahr, die in diesem Possenwald lauert, blieb uns bei der Wanderung nicht verborgen: Der für den Possen verantwortliche ThüringenForst erntet in großen Mengen Holz. Breite Rückegassen für tonnenschwere Erntemaschinen, so genannte Harvester, hinterlassen kahle Schneisen, in denen der Boden so stark verdichtet wird, dass da über lange Zeit nichts mehr wächst. Immer wieder sahen wir ausgedehnte Kahlschläge im Wald, in denen Bäume abgeholzt, aber keine neuen angepflanzt wurden. Lediglich Gestrüpp wächst dort noch. Diese massive forstwirtschaftliche Nutzung gefährdet den Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten stark. Den der Wildkatze, zum Beispiel, die es schwer hat, in diesen abgeholzten Bereichen Deckung zu finden. Geeigneter Lebensraum wird so immer knapper und die Wildkatze wird weiter in kleine Teilgebiete zurückgedrängt. Nicht selten stören die forstwirtschaftlichen Arbeiten – auch wenn das eigentlich untersagt ist – die Brutzeit vieler Vögel und gefährden so das Überleben der Tiere. Und auch der Abtransport der gefällten Bäume mit schwerer Technik hinterlässt langjährig sichtbare Spuren: Breite Furchen ziehen sich durch den Wald, auf denen nur langsam neue Pflanzen nachwachsen.

Nach der Wanderung wärmten wir uns im Gasthaus Possen auf und tauschten bei einem gemeinsamen Mittagessen unsere Eindrücke aus. Zwar war die Stimmung in unserer Gruppe nach der gemeinsamen Wanderung locker, doch die Gespräche wurden bald ernst. "Das Angebot von ThüringenForst, kleinere Splitterflächen aus der Nutzung zu nehmen, reicht nicht aus. Pflanzen- und Tierarten benötigen zusammenhängende Lebensräume", betonte Landessprecherin Stephanie Erben. Wir konnten uns ein genaues Bild von dem Waldgebiet machen. Ein Bild das deutlich zeigte, dass die Schäden der langjährigen forstwirtschaftlichen Nutzung gravierend sind und schnell gehandelt werden muss. Wir waren uns einig: Thüringen braucht mehr Waldwildnis!

Zum Schutz dieses Gebietes unterstützen wir daher zusammen mit dem BUND Thüringen, dem NABU Thüringen, dem WWF, der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und der Bürgerinitiative "ProKyffhäuserwald" eine Online-Petition. Diese fordert die Ausweisung einer 2.500 Hektar großen Wildnisfläche in dem Possengebiet. Die notwendigen 1.500 Stimmen sind erreicht, bis zum Auslaufen der Petition am 28. Februar sollen aber noch weitere Unterstützer mobilisiert werden. Deshalb bitten wir euch um Unterstützung der entsprechenden Online-Petition im Thüringer Landtag.

Mit Fragen und Antworten zum Thema Possen als Waldwildnis helfen wir euch bei der Abwägung.

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