Thema Flughafen

Der Flughafen Erfurt-Weimar (ERF) ist der einzige Flughafen im Freistaat. Trotz umfangreicher Fördergelder und Subventionen ist der Betrieb in Bindersleben nie in Schwung gekommen, auch nicht durch die 180 000 Euro teure Namenserweiterung um die Klassikstadt im Jahr 2011. Von der ursprünglichen Kenngröße von 1 Million Fluggästen pro Jahr, die zur Erreichung einer „Gewinnzone“ nötig seien, ist der Flughafen noch immer weit entfernt – 2018 waren es gerade einmal gut 260 000 Passagiere (An- und Abflüge) und damit sogar weniger als im Jahr zuvor.

Rote Zahlen

Auch wenn der Umsatz von Jahr zu Jahr leicht steigt, schreibt die Betreibergesellschaft weiter klar rote Zahlen. Beispielsweise weist das Jahresergebnis 2018 ein Minus von knapp 2 Millionen Euro aus, wenn man den jährlichen Landeszuschuss in Höhe von 2,6 Millionen Euro rausrechnet. Der Flughafen ist – und bliebe auch auf lange Sicht – von Zuschüssen abhängig.

Ursachen

Der Flughafen hat mehrere Defizite, die sich trotz der intensiven Bemühungen des Betreibers und Fördermitteln von über 200 Millionen Euro nicht beheben ließen.

Es besteht eine große Abhängigkeit von Passagieren außerhalb des Einzugsgebietes, weil der Bedarf vor Ort recht gering ist. Auch aufgrund der in den vergangenen Jahren verbesserten Anbindung Erfurts an größere Flughäfen (Frankfurt, Leipzig/Halle, Nürnberg, München) ist die Anziehungskraft des Thüringer Flughafens über das direkte Einzugsgebiet hinaus gesunken. Dazu kamen auch eine Reihe von Verbindungsstreichungen und Insolvenzen in Erfurt agierender Flugunternehmen, deren Ausfälle nicht kompensiert werden konnten. Im Gegenteil: Im Jahr 2019 entwickelte sich der Standort mit unter 160 000 Fluggästen zum mit Abstand passagierämsten Flughafen Deutschlands.

Die recht nahe Lage zu den Wohngebieten der Stadt führt zu beschränkten Nutzungsmöglichkeiten, vor allem im nächtlichen und im Übungsbetrieb. Weil beispielsweise keine Lärmschutzhalle vorhanden ist, sind keine Triebwerkprobeläufe in der Nacht möglich. Eine Erhöhung der für die Rentabilität notwendigen Grundkapazitäten geht somit nicht ohne weitere, kostenintensive Schallschutzmaßnahmen für einen erheblichen Teil des Stadtgebiets. Das liegt daran, dass die Einflugschneise des Flughafens bei Wind aus der Hauptwindrichtung genau über der Stadt liegt. Was bei fünf Flugzeugen pro Tag sicher noch erträglich sein mag, wäre bei einer starken Auslastung inakzeptabel.
Für eine militärsiche Nutzung gibt es keine Genehmigung (und sie ist auch nicht Bestandteil des Planfeststellungsbeschlusses aus dem Jahr 1993, der die Rechtsgrundlage für das Betreiben des Flughafens bildet), selbst beispielsweise die Wartung von Militärflugzeugen würde Probeläufe von Treibwerken erfordern, die sehr laut sind.

Schlussfolgerungen und Grüne Position

Der Flughafen Erfurt-Weimar ist in absehbarer Zeit nicht rentabel zu unterhalten. Im Gegenteil: Der Betreiber wird auf weitere Zuschüsse aus der Landeskasse in Höhe von mehreren Millionen Euro pro Jahr angewiesen bleiben. Doch spätestens seit der Fertigstellung der ICE-Trasse sind die Flughäfen Frankfurt/Main, Leipzig-Halle, München und Berlin so nah an Thüringen herangerückt, dass es keinen Grund mehr gibt, einen eigenen Thüringer Flughafen mit Landesmitteln zu subventionieren. Die hierdurch eingesparten Steuermittel – derzeit mehrere Millionen Euro jährlich – wollen wir stattdessen in das Thüringen-Ticket und den Ausbau eines attraktiven Nahverkehrs investieren, was ohnehin die emissionsärmere und damit umwelt- und klimafreundlichere Mobilitätsform ist. Wegfallende Arbeitsplätze können beispielsweise durch mehr Arbeitsplätze im Bereich des ÖPNV oder der regionalen Energiewirtschaft abgefangen werden.

Grundsätzlich stehen wir Grüne Flugdistanzen, die mit anderen, ökologisch vertretbareren Alternativen in unter vier Stunden überbrückt werden können, kritisch gegenüber.

 

[Ergänzung vom 25. August 2020:]
>> Hier geht’s zur Pressemitteilung unseres Landessprecher Bernhard Stengele vom 25. August 2020. Dieser ging die Einschätzung des Landesrechnungshofes voraus, dem Flughafen lieber ein „Ende mit Schrecken als einen finanziellen Schrecken ohne Ende“ zu geben. Dessen, aller Zahlen und Perspektiven (hier vor allem: Subventionsverbot ab 2024) ungeachtet betonte der zuständige Minister Hoff daraufhin, den Standort zu halten.

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