Familienpolitik fängt bei der Geburt an – Stephanie Erben im Geburtshaus Erfurt

Wer Familien stärken und der schwachen Geburtenrate in Deutschland entgegenwirken möchte, müsse bessere Betreuungsmöglichkeiten für Schwangere schaffen. Diese Forderung wurde bei dem Besuch von Stephanie Erben am 11. September 2017 im Geburtshaus Erfurt deutlich.

Seit fast 25 Jahren besteht das Erfurter Geburtshaus bereits. Hier wird eine Geburt nicht nur als Entbindung, sondern als Ereignis verstanden, das individueller Betreuung vor und nach der Geburt bedarf. Und obwohl sich dieses ganzheitliche Konzept großer Nachfrage erfreut, gibt es Probleme: In ganz Thüringen gibt es mit Erfurt, Jena und Gera nur drei Geburtshäuser. In allen sind die Hebammen chronisch überlastet und müssen regelmäßig Schwangere ablehnen. „Das macht ja keinen Spaß, da blutet jeder Hebamme das Herz“, schildert Annika Wanierke vom Hebammenlandesverband Thüringen Stephanie Erben die Notlage. Die Versorgung von Schwangeren sei allgemein prekär, auf dem Land noch schlimmer als in der Stadt. Darunter leide vor allem die Alternativenvielfalt von Geburtsmöglichkeiten. Dass die hohe Haftpflichtversicherung freiberufliche Hebammen an ihre Existenzgrenzen bringen bemängeln das Bündnis 90/Die Grünen schon lange. Auch Geburtshäuser bangen regelmäßig um die eigene Finanzierung. Dabei wäre eine flächendeckende Primärversorgung durch Hebammen effizienter, als es an Krankenhäuser abzugeben. „Eine Frau die schwanger ist, braucht keinen Arzt – sie ist schwanger, nicht krank!“, betonen Hebamme Sybille Becker. Krankenhäuser und Ärzte könne man einschalten, wenn es Komplikationen gäbe, das sei aber nur in Ausnahmefällen nötig. Im Gegenzug beuge eine individuelle Betreuung während der Schwangerschaft Probleme vor. Doch die Hebammen-Lobby ist schwach, weil Ressourcen fehlen und die Verdienstmöglichkeiten in dem Beruf gering sind. Gegen Krankenhäuser und Versicherungen kommt man so nicht an. Hier sei die Politik gefragt, meint Vorstandsmitglied Katrin Lauinger. „Wenn es um Familienpolitik geht, denken alle an Bildungsangebote und Kita-Plätze. Dabei fängt Familie doch dort an, wo eine Frau ein Kind bekommt! Hebammenarbeit ist Familienpolitik.“

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