Zum Tag der Kunst endlich alte Zöpfe abschneiden

Die Kunst ist frei. Das ist unsere unerschütterliche Überzeugung. Und sie muss auch in schwierigen Zeiten frei bleiben.

 
Die Pandemie offenbart uns die strukturellen Schwächen der über viele Jahrzehnte gewachsenen Kulturszene. Dabei müssen wir schmerzlich feststellen, wie sehr sich die kulturelle Zweiklassengesellschaft weiter verschärft hat. Das ist nicht hinnehmbar. Wir bestehen auf dem großen Wert aller Kulturschaffenden für eine lebendige und friedvolle Gesellschaft. Wir setzen uns intensiv für ihre soziale und politische Sicherheit ein.
 
Vor diesem Hintergrund erklärt der bündnisgrüne Landessprecher Bernhard Stengele anlässlich des Tages der Kunst am 15. April: „Kulturschaffende sind weder nach ihrer dekorativen, noch nach ihrer ökonomischen Attraktivität zu fördern, sondern nach ihrer Unabhängigkeit und Unbequemlichkeit. Die Freiheit der Kunst ist für uns die Freiheit des menschlichen Geistes. Dafür bedarf es verlässlicher, auskömmlicher und unbedingter finanzieller Unterstützung seitens des Landes für kulturschaffende Personen und Gemeinschaften verschiedenster Rechtsformen. Dass hier, auch ein Jahr nach Beginn der Pandemie, viele sich selbst überlassen werden, ist ebenso symptomatisch wie falsch.“
 
Als BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Thüringen wollen wir freie Künstler*innen ebenso wie private Theater stärken. Sie stehen oft für besondere Experimentierfreude, für künstlerische Innovation gepaart mit dem Willen zur Unabhängigkeit. Bernhard Stengele deutlich: „Wir fordern die linke Kulturstaatssekretärin Beer auf, ihre salonsozialistische Brille abzulegen und den Wert von freischaffenden Künstler*innen nicht durch das zwanghafte Einordnen in abhängige Strukturen beschneiden zu wollen. Wir wollen durch ebenso unbürokratische wie großzügige Unterstützung Kunst in ihrer vollen Breite über die Pandemie hinweg erhalten. Daher fordern wir einen Feldversuch Grundeinkommen für alle freischaffenden Künstler*innen, Kulturbegleiter*innen und Kollektive, egal welcher Rechtsform.“
 
Für uns Bündnisgrüne ist klar, dass Kulturförderung dabei nachhaltig, dezentral, partizipativ und barrierefrei sein muss. Entscheidungsstrukturen – sei es in der Landesverwaltung, in Stiftungen oder Jurys – müssen geschlechtergerecht besetzt werden.
 
Der Kulturaustausch zwischen Stadt und Land muss ebenso gefördert werden wie der internationale Austausch. Wir denken Kunst weder in regionalen noch in nationalen Kategorien. Der Anschluss an internationale Diskurse sowie Impulse internationaler Künstler*innen sind in der heutigen Zeit ein Muss. Kulturförderung hat dafür zu sorgen, dass überall in Thüringen der Zugang zu Kulturangeboten sowie künstlerischer Betätigung erhalten bleibt.
 
Stengele abschließend: „Patriarchalisches Erbhofverhalten und intransparente Verträge wie an der Oper in Erfurt sind anachronistisch. Genderungerechte Besetzungsschlüssel sowie das Denken in Typen, Hautfarben und ethnischen Zuordnungen sind Relikte aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. Diese alten Zöpfe gehören endlich abgeschnitten. Sie erzeugen nur langweilige Pseudokreativität. Thüringen kann mehr.“
 

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