Die Apfelstädt – ein Lösungsvorschlag

Viele Menschen wollen nicht, dass die Apfelstädt besonders zwischen den Gemeinden Wandersleben und Apfelstädt trocken fällt. Der Grund dafür ist, dass sich in diesem Bereich ein besonderes Wasser- und Vogelschutzgebiet befindet. Dieses Schutzgebiet will das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz ebenfalls schützen.

Dafür gab es einen Vorschlag: Bei Wechmar gibt es bereits heute einen Wasserspeicher. Diesen könnte man sanieren und dafür nutzen, in besonders trockenen Zeiten Wasser abzugeben und in sehr wasserreichen Tagen Wasser zu speichern. So könnte man Flora und Fauna in schwierigen Zeiten unterstützen. Wie oben bereits genannt, wird trotzdem zusätzliches Wasser in die Apfelstädt gegeben.

Doch worum geht es eigentlich? Michael Göring und Marius Prellwitz haben sich in den folgenden Zeilen dem Thema Apfelstädt intensiver gewidmet.
Einen persönlichen Kommentar von Bernhard Stengele zur aktuellen Lage der Diskussion um die Apfelstädt gibt es HIER.

 

Die Apfelstädt

Die Apfelstädt ist ein Fluss, der im Thüringer Wald bei Tambach-Dietharz entspringt und durch das Tal fließt, bis er östlich von Ingersleben in die Gera mündet. Der Fluss, ein Gewässer 1. Ordnung, hat sein Einzugsgebiet in den Wäldern südlich von Tambach-Dietharz, wird aber in seinem Verlauf von weiteren Zuflüssen gespeist. Neben dem Mittelwasser, das auch von einer Quelle bei Tambach-Dietharz stammt, wird der Apfelstädt vor allem durch

– Schmalwasser (Einmündung südlich von Tambach-Dietharz)
– Spitter (Einmündung in Tambach-Dietharz – von der Ebertswiese her)
– Rodebach (Einmündung südwestlich von Georgenthal)
– Ohra (Einmündung nordöstlich von Hohenkirchen – u.a. von der Talsperre Ohra her)
– Schmallgraben (Einmündung östlich von Wechmar – durch den Speicher Wechmar)
– Rot (Einmündung in Wandersleben – von Gotha-Siebleben und Kleinrettbach her)
– Waidbach (Einmündung in Neudietendorf – von Mühlberg, u.a. Spring, her)
und ein paar kleineren Bächlein

Wasser in ihrem Verlauf zugeführt. Das ganze Flusssystem ist dadurch abhängig von verschiedenen Quellen und von den Niederschlägen im insgesamt 371 qkm großen Einzugsgebiet.

Der natürliche Verlauf der Apfelstädt und ihrer Nebenflüsschen wurde freilich in der Vergangenheit immer wieder verändert. Die erste Veränderung geschah schon im 17. Jahrhundert durch die Ableitung eines Teiles des Apfelstädt-Wassers in den so genannten Flößgraben bei Georgenthal, mit dem Teiche im Verlauf gespeist werden und das Wasser dann dem Leinakanal zugeführt wird, der in Gotha heutzutage die Parkseen bewässert und die Wasserkunst am Markt speist.

Die aber wohl wesentlicheren Veränderungen geschahen erst im vorigen Jahrhundert. Mit dem Bau der Talsperre Tambach-Dietharz (Gothaer Talsperre), die seit 1906 in Betrieb ist wird neben der Apfelstädt auch das zufließende Mittelwasser gestaut. Sie wurde für die Trinkwasserversorgung der Stadt Gotha angelegt.

Die zwischen 1960 und 1966 erbaute Ohra-Talsperre diente und dient der Rohwasserbereitstellung für Trinkwasseraufbereitung. Zur Vergrößerung des Einzugsgebietes wurden 1973 der Schmalwasserstollen und 1979 der Haselbachstollen gebaut. Der Haselbachstollen führt das Wasser aus dem Haselbach und dem „Langen Grund“ (aus dem Einzugsgebiet der Weser) in den Schmalwassergrund. Der Schmalwasserstollen leitet Wasser aus dem Schmalwassergrund zur Ohra-Talsperre ab und ist gleichzeitig die Verbindung vom Haselstollen und der Talsperre Ohra.  Nicht benötigtes Wasser aus der Ohra-Talsperre wird an die Ohra abgegeben.

Erst 1998 wurde die Schmalwasser-Talsperre in Betrieb genommen. Sie war ursprünglich eine Trinkwasser-Talsperre. Die Aufbereitungsanlage für das in der Talsperre gewonnene Rohwasser befand und befindet sich unterhalb der Talsperre Tambach-Dietharz in die Rohwasser durch den 1995 gebauten Mittelwasserstollen übergeleitet werden kann. Das Trinkwasser wurde damals von dort über zwei Fernwasserleitungen der Stadt Erfurt zugeleitet. Die Talsperre dient auch als Zwischenspeicher für die Trinkwasserversorgung durch den Wasser- und Abwasserzweckverband Gotha und Landkreisgemeinden.

Bereits im Jahre 2005 wurde jedoch Aufbereitung von Rohwasser zu Trinkwasser zugunsten der Ohra-Talsperre eingestellt. Eine der beiden Fernwasserleitungen wurde in den Thüringer Fernwasserverbund eingebunden. Seit diesem Jahr dient die Talsperre Schmalwasser nur noch dem Hochwasserschutz und der Erzeugung von regenerativer Energie. Aus der Schmalwasser-Talsperre kann aber weiterhin über den Mittelwasserstollen Wasser der Talsperre Tambach-Dietharz zugeführt werden. Überschüssiges Wasser der beiden Talsperren, wurde in die Apfelstädt geleitet. Im Durchschnitt wurden ca. 500l/s an „überflüssigem“ Wasser in die Apfelstädt gegeben. Dieses überflüssige Wasser wird heute zum Großteil für die neue Westringkaskade verwendet. Allerdings werden immer noch mindestens 200l/s in die an die Flussläufe der Apfelstädt abgegeben.

 

Die Westringkaskade

Die Westringkaskade ist ein im Jahr 2011 durch die Thüringer Fernwasserversorgung in Angriff genommenes und in den letzten Jahren verwirklichtes Projekt. Die eine der beiden Fernwasserleitungen, die nun nicht mehr zur Trinkwasserversorgung benötigt wird, leitet nun Rohwasser als Brauchwasser aus der Talsperre Tambach-Dietharz nach Erfurt. Vorher wurde überschüssiges Wasser, welches nicht als Trinkwasser verwendet wurde in die Apfelstädt abgegeben. Dadurch entstanden laufende Kosten für das Land, denn kostbares Wasser hatte keinen Zweck außer als zusätzliches Wasser in die Apfelstädt gegeben zu werden. Im Verlauf der Westringkaskade ist die Wasserkraftanlage Kleiner Seeberg in Betrieb gegangen. Das über die Westringkaskade abgeleitete Wasser wird dem Fluss Gera im Norden von Erfurt zugeleitet. Dort im Erfurter Norden entstand ein neues Wasserkraftwerk im Verlauf der Leitung., Nach der Energiegewinnung fließt das Wasser durch einen neu entstehenden Teich, der das Naherholungsangebot Geraaue aufwerten soll. Dieses Projekt ist Bestandteil der Bundesgartenschau 2021.

Rechtsgrundlage für den Betrieb der Westringkaskade bildeten die von der oberen Wasserbehörde im Jahr 2016 festgestellten Altrechte am Talsperrenwasser. Damit wurden die Rechte der Thüringer
Fernwasserversorgung zur Wasserentnahme aus der Talsperre Tambach-Dietharz bestätigt. Statt des Trinkwassers darf die Thüringer Fernwasserversorgung so nun, im Mittel 500 l/s, Brauchwasser ableiten. Mit dieser Altrechtsfeststellung wurden auch die Mindestwasserabgaben aus der Talsperre Tambach-Dietharz und der Talsperre Schmalwasser festgelegt. Die Talsperre Tambach-Dietharz muss mindestens 150 l/s und die Schmalwasser-Talsperre mindestens 50 l/s an die Flussläufe abgeben.

Mit dem Bezug des weichen und qualitativ hochwertigen Wassers aus dem Thüringer Wald sollen ab 2021 außerdem Erzeugerbetriebe der Landwirtschaft nicht nur den stark schwankenden Niederschlägen, sondern auch dem qualitativ und quantitativ stark begrenzten dortigen Grundwasserangebot begegnen können. Dadurch wird dieses Wasser zur Stromproduktion verwendet und später an landwirtschaftliche Betriebe verkauft, was Steuergeld einspart.

 

Die Fragen

Freilich häufen sich möglicherweise mit dem Klimawandel verbundenen Trockenperioden inzwischen auch in Thüringen. Die letzten trockenen Sommer 2018 und 2019 haben die natürlichen Zuflüsse aus dem Thüringer Wald deutlich erniedrigt und die natürlichen Zuflüsse im Verlauf des Flusslaufes zeitweise sehr geschwächt und manchmal sogar versiegen lassen. Weil im Winter 2018/19 im Thüringer Wald, jedoch besonders auch in den tieferen Lagen, nur wenig Schnee lag, konnte auch nur eingeschränkt eine Grundwasserneubildung stattfinden. Diesen Umstand konnte man schon im zeitigen Frühjahr 2019 an den sehr niedrigen Wasserständen in der Apfelstädt bemerken.

Möglicherweise wegen der Sicherung der Trinkwassergewinnung gibt die Ohra-Talsperre nach aktuellen Informationen kein Wasser mehr an den Flusslauf ab und die Ohra, eigentlich eine der wichtigeren Apfelstädt-Zuflüsse, ist dadurch hinter der Talsperre streckenweise trocken gefallen. Die Zuflüsse aus der Talsperre Tambach-Dietharz in die Apfelstädt und aus der Schmalwasser-Talsperre ins Schmalwasser scheinen auf die bei der Altrechtsfeststellung festgelegten Mindestabgaben beschränkt.

Bei Wechmar an der Brücke der A 4 befindet sich eine den Wasserwirtschaftlern schon seit Jahrzehnten bekannte Versinkungsstelle des Flusses, die der Apfelstädt Wasser entzieht. Das dort verschwindende Wasser fließt in den Hohlräumen des Kieskörpers sowie dem darunter befindlichen sehr porösem Gestein des Muschelkalks als Grundwasser langsam weiter und ist im Bereich des Wasserwerkes Möbisburg nachweisbar.

Diese vielfältigen Gründe haben die Apfelstädt inzwischen schon über Monate trocknen fallen lassen. Das ist eine unerfreuliche Situation, die freilich auch in der Vergangenheit, bei damaliger Trinkwasserentnahme aus der Talsperre Tambach-Dietharz, aufgetreten ist.

 

Die Zahlen

Die Tabelle mit Daten der Hochwassernachrichtenzentrale weist die Wasserdurchflüsse in den Jahren 1946 bis 2015 am Pegel Ingersleben (westlich der Einmündung in die Gera) in m³ pro Sekunde nach. Zur Einordnung der Zahlen ist dabei zu berücksichtigen, dass das Talsperrenverbundsystem Apfelstädt/Schmalwasser/Ohra erst 1998 vollständig im Betrieb genommen wurde. Die Auswirkungen der Veränderung durch die Nutzung der Ohra-Talsperre seit 2005 als alleinige Fernwasser-Talsperre sind so auch nur bedingt ablesbar.

Unberücksichtigt bleiben die Auswirkungen der 2020 in Betrieb gegangenen Westringkaskade. Dafür liegen aktuell keine Zahlen vor bzw. können erst in den Folgejahren erhoben werden. Zu ersehen ist jedoch, dass Trockenfallen der Apfelstädt im Monat Juli keine Seltenheit war und dass Niedrigwasser von 100 l/s und darunter bis zum Trockenfallen auch in anderen Monaten durchaus vorkam.

 

>> Einen persönlichen Kommentar von Landessprecher Bernhard Stengele zur aktuellen Lage der Diskussion um die Apfelstädt gibt es HIER.

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