Die Apfelstädt – ein Lösungsvorschlag

 


 

Ein Kommentar zur aktuellen Lage der Apfelstädt
von Bernhard Stengele


 

Wasser, Klimawandel und der Don Quichotte von Apfelstädt

Wer das Unmögliche sucht, dem geschieht nur recht, wenn das Mögliche ihm versagt wird. (Miguel de Cervantes: Don Quichotte)

Der beste Moment in der Geschichte war, wie so oft, am Anfang. Also mein Anfang. Die Geschichte an sich entwickelte sich schon viel länger. Ich telefonierte mit Rico Heinemann und bot ihm an, ihn bei seinem Herzensthema, nämlich dem Trockenfallen der Apfelstädt zu helfen. Er lud mich zur sofortigen Besichtigung. Es war Samstag, das Wetter war schön, ich verbrachte eine gute Stunde mit dem energetischen, offensichtlich vom Thema besetzten Mann in seinem Garten vor einem dicken Aktenordner, ich schaute mir die Bäume an, die durch die Trockenheit zu wenig Wasser haben, die man fällen muss. Dann gingen wir zur Apfelstädt, die da trocken lag. Ein idylischer, ja fast romantischer Ort. Am Ende hatte ich Hoffnung, vielleicht etwas bewirken, vielleicht helfen zu können, als ich wieder losfahre.

Nun sind etliche Monate vergangen, ich habe mich mit dem Thema beschäftigt, wie übrigens so viele Mitglieder von Bündnis90/die Grünen, wie Katrin Göring-Eckart, Katharina Schmidt, Felix Kalbe, Michael Göring, Burkart Vogel und viele andere, zudem Fachreferenten aus dem Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN), Staatssekretär Möller, Ministerin Siegesmund. Und ich stehe nun vor der Aufgabe, diese Geschichte erzählen zu müssen, damit sie aufhört, zu einer immer kruderen Legende zu werden. Die Geschichte, die gute Ansätze hatte und doch so schief ging. Aber wie kann sie so erzählt werden, dass sie für Laien verständlich ist? Also für Menschen wie mich, die weder Geolog*innen, noch Betroffene sind und tatsächlich ihr Leben nicht diesem Thema widmen wollen, die aber wissen sollten, worum es geht. So halte ich es da mit Walt Disney, der sagte: Keep it simple and beautiful.

Ich schreibe also eine kurze Zusammenfassung in Prosa, gebe ein paar Sätze aus der Metaebene hinein. Und für die, die selbst prüfen wollen, hänge ich Expertisen an und verweise auf den (für Freund*innen der Filmästhetik schwer erträglichen) Youtubekanal, auf die Facebookseite und die Homepage der „Bürgerinitiative Lebensraum Apfelstädt“, die inzwischen aufruft, gegen Grün zu stimmen.
Mein Dank gilt allen, die sich da reingekniet haben, besonders an Michael Göring für sein überzeugendes Angebot einer Übersicht und an Marius Prellwitz, dessen Auftrag es war, als intelligenter, unbeteiligter Laie so objektiv wie möglich daran zu arbeiten. Und Dank an Olaf Möller, der jederzeit zu Gesprächen bereit war.

Zusammenfassung, die manches Detail weg lässt, aber den Grundkonflikt darstellt

Die Apfelstädt ist ein Flüßchen, das wie alle Gewässer in der Zeit des zunehmenden Eingriffs der Menschen verschieden „beeinflußt“ wurde und wird. Es hat schon lange ein grundsätzliches Wasserproblem in den trockenen Monaten von trockenen Jahren. Die werden nun immer mehr und damit die Probleme auch. Die Apfelstädt bleibt immer länger trocken und damit nehmen die negativen Auswirkungen zu. Die Thüringer Fernwasserversorgung hat als Eigentümerin der Talsperren im Oberlauf über etliche Jahre immer wieder Wasser über das verpflichtete Maß hinaus in die Apfelstädt eingespeist, ohne dass daraus ein Recht abgeleitet werden könnte. Die Mindestabgabe wurde zwar noch erheblich erhöht, die zusätzlichen Wassergaben wurden aber zurückgefahren, weil das Wasser an anderer Stelle (Westringkaskade) seinem vertraglich vereinbarten Zweck zugeführt werden musste. Die Apfelstädt und ihr Gebiet leiden noch mehr unter ihrem wachsenden „natürlichen“ (global menschengemachten) Mangel. Die Anwohner auch. Sie wehren sich, allen voran das Parteimitglied Rico Heinemann. Sie wollen mehr Wasser haben. Das TMUEN hat in Anwesenheit von Rico Heinemann und mir einen Lösungsansatz erarbeitet, der das Problem abmildern kann (Zuleitung aus Wechmar) – das wird intensiv und ernsthaft geprüft und vorangebracht, ist mit Kosten, aber wahrscheinlich auch Nutzen verbunden. Das war ein konstruktiver Moment, der schon bald Wirkung zeigen könnte.

Das reicht Rico Heinemann nach anfänglicher erfreuter Zustimmung nicht. Er zieht in den Kampf. Der Don Quichotte aus Apfelstädt hat seine Windmühlen gefunden, es sind Anja Siegesmund und Olaf Möller, seine Rosinante ist das Internet, seine Dulcinea die Apfelstädt und sein Sancho Pansa die Bürgerinitiative. Olaf Möller, den Staatssekretär („wir versuchen der Apfelstädt mehr Wasser zu geben. Sie hat es schwer in Zeiten des Klimawandels. Wir bedauern, dass Rico Heinemann den Bezug zu den Fakten immer mehr verliert“) versucht er als Lügner zu brandmarken. Seine Erzählung sagt, dass das TMUEN der Apfelstädt Wasser aus Gründen des Marketings (überflüssige Energiegewinnung aus Wasser zu reinen Showzwecken) wegnimmt und nach Erfurt leitet. Der Kampf Land gegen Stadt, David gegen Goliath, das wirkt. Er negiert die Rechtslage und die Zuständigkeiten. Im Bewusstsein seines edlen und integren Handelns tritt Rico Heinemann immer polarisierender auf und schließlich mit Theaterdonner aus Bündnis90/die Grünen aus. Schließlich ruft er zur Abwahl der Grünen auf, lobt die Haltung der CDU, die sich als die eigentlichen Natur- und Heimatbewahrer gerieren. Er ist jetzt und das ist wirklich schmerzhaft, der politische Gegner, der sehr feindselig und selbstgerecht auftritt.

Wir haben ein Mitglied verloren, das nicht mehr unterscheiden wollte zwischen einem Ministerium, das sich an Recht und Gesetz halten muss und will und der gesinnungspolitischen Romantik lokaler Naturschützer, die die Realität nicht anerkennen wollen. Und wir haben einen Gegner mehr, der uns schadet in unserer mühsamen Arbeit für die Natur und gegen den Klimawandel. Diese Arbeit muss sich darauf gründen, anzuerkennen was ist. Evidenzbasiert und auf Basis von Recht und Gesetz ist die alternativlose Vorgehensweise für eine Partei, die daierhaft überzeugen will, genauso wie für staatliche Institutionen.

Erkenntnisse politisch

1. der Klimawandel ist da und mit ihm wird Wasser weniger. Oder genauer gesagt kommt es nicht mehr an, wo und wann wir und die Natur es gewohnt sind. Die Biodiversität schwindet (auch aus anderen Gründen), unser Lebensraum verändert sich zuweilen sehr leidvoll in vielen Ländern der Welt, aber auch hier zunehmend bedrückend und dramatisch.
2. das wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zunehmen – egal wer regiert. Damit werden wir oft konfrontiert werden und Dinge verantworten müssen, vor denen wir gewarnt haben.
3. Es wird zunehmend komplexer und komplizierter, die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung zu verstehen und zu kommunizieren. Das aber ist unsere Aufgabe.
4. Korrelation und Kausalität sind zwei grundlegend unterschiedliche Dinge, sehen aber manchmal sehr ähnlich aus. Wir müssen uns um genaue Unterscheidung bemühen.

Erkenntnisse psychologisch

5. Wir wollen alle wirksam, wollen Held*innen sein. Das kann gehörig schief gehen.
6. Es ist leichter, Schuldige zu benennen, als die eigene Ohnmacht zu akzeptieren. Doch nur aus diesem Punkt der Wahrhaftigkeit heraus, kommt man zu neuen tragfähigen Lösungen
7. Viele Menschen wollen recht haben, manche auch um den Preis des Realitätssinnes und der kritischen Intelligenz.
8. Wir alle suchen Anerkennung und Zugehörigkeit. Am besten sofort und in unserer direkten Umgebung. Dafür opfern wir auch mal unsere Gewissenhaftigkeit, unsere Übersicht und Intelligenz.

Persönliches Fazit

Als Landesprecher habe ich versucht Kommunikation zu ermöglichen und das Parteimitglied Rico in seinem Elan zu unterstützen. Ich habe das TMUEN, Anja Siegesmund und Olaf Möller genervt mit dem Thema. Dennoch ist das Band zu Rico Heinemann durchschnitten. Damit kann ich nicht zufrieden sein. Ich fand ihn sympathisch und unterstützenswert in seinem Kampf für sein Anliegen. Seine Entscheidung allerdings uns als Partei zu bekämpfen, bedeutet für mich das Ende des Verständnisses und der Geduld. Die persönliche Integrität von Regierungs- und Parteimitgliedern öffentlich in Frage zu stellen ist für mich schäbig.
Positiv: Dass die Apfelstädt aus Wechmar wahrscheinlich Wasser bekommt ist gut. Und ich habe mir den Don Quichotte wieder angeschaut. Den werd ich vermutlich noch öfter brauchen können.

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