Tierversuche und Tierverbrauch in Thüringen

Tierschutz stärken, Verlässlichkeit debattieren, Ausstiegsstrategie entwickeln!

 
In der Wissenschaft und in der Lehre sind Tierversuche und sogenannter Tierverbrauch auch in Thüringen noch weit verbreitet. Aktuelle Zahlen zeigen, dass alleine im Jahr 2018 in Thüringen noch 33 384 Mäuse und 1 046 Ratten für Tierversuche „verwendet“ wurden. Aber auch an Schafen, Schweinen, Vögeln oder Reptilien wird in Thüringen geforscht. Dazu kommt der sogenannte Tierverbrauch, der Einsatz von Tieren zu Zwecken der Lehre, als Objekte für Experimente von Studierenden oder im Rahmen von Sezierkursen.
 
Die Tiere werden unter widrigen Bedingungen gehalten. Oft sterben die Tiere während des Versuchs oder werden anschließend zur Untersuchung getötet. Bei den Versuchen werden die Tiere verletzt, absichtlich krank gemacht, genetisch manipuliert. Ihnen werden Körperteile abgeschnitten oder giftige Stoffe gespritzt. In der Vergangenheit kam es am Jenaer Leipnitz Institut zu einem Skandal, wonach die Verantwortlichen entlassen wurden. Ohne Genehmigung wurden Versuche gestartet, Zuchtpläne missachtet, Tiere überflüssig gezüchtet und anschließend getötet. Dieses Beispiel macht deutlich, dass Tierversuche mit Sensibilität zu behandeln sind und einer starken staatlichen Aufsicht unterliegen müssen.
 
Tierversuche im Rahmen des Studiums werden in Thüringen nur im Physiologiepraktikum am Universitätsklinikum Jena durchgeführt, ansonsten ist ein tierversuchsfreies Studium möglich (Stand 2018). Allerdings haben verschiedene Studiengänge in Jena sogenannten Tierverbrauch, welcher sich während des Studiums nicht zwangsläufig vermeiden lässt. Das betrifft die Studiengänge der Biologie, Biochemie/Molekularbiologie, Molecular Life Sciences, Evolution, Ecology and Systematics und Biochemistry (Stand 2018). Dabei kann schon heute der Großteil des Tierverbrauchs in der Lehre durch Simulationen, natürlich gestorbene Tiere, Modelle oder Präparate ersetzt werden.
 
Gleichzeitig wird in Thüringen im Rahmen von Forschungsprojekten an tierersetzenden Methoden gearbeitet, darunter an Organoidkulturen, Organ-on-a-Chips, einem Hühnereimodell sowie einem in-vitro Kanzerogenese-Modell. Die Entwicklung von Alternativen wird durch das Land Thüringen mit 3 Millionen Euro über die Jahre 2017 bis 2020 gefördert. Im Rahmen der 3R-Strategie (Replace, Reduce, Refine) wird europaweit versucht Tierversuche zu vermindern, so auch in Thüringen.
 
Trotzdem werden Tierversuche für die Grundlagenforschung, aber insbesondere für Medikamententests weiter eingesetzt. Möglicherweise ist das ein Irrweg, da es fraglich ist, inwieweit im Tierversuch erlangte Erkenntnisse auch für Menschen übertragbar sind. Die Immun- und Organfunktionen von Menschen unterscheiden sich erheblich von denen von Tieren – selbst zwischen den verschiedenen Arten gibt es bedeutende Unterschiede. Das bekannteste Beispiel Kontergan zeigt, dass auch erfolgreich an Tieren getestete Medikamente beim Menschen zu Schäden führen können. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass wirksame Stoffe im Tierversuch durchfallen, obwohl diese im menschlichen Organismus gewirkt hätten. Deshalb braucht es eine Debatte über die Verlässlichkeit von Tierversuchen!
 
Zitate Ann-Sophie Bohm:
 
  • Ob im Tierversuch erlangte Erkenntnisse auch für den Menschen gelten, gleicht einem Russisch Roulette!
  • Als Bündnisgrüne wollen wir diese Debatte führen und uns für eine Ausstiegsstrategie einsetzen. Moderne Verfahren, wie die Organ-Chips, die auch in Jena entwickelt werden, haben das Potenzial Tierversuche künftig gänzlich zu ersetzen. Deshalb braucht es von Seiten des Bundes und des Landes weiterhin ausreichend Fördermittel, um die Forschung zu Alternativen zu beschleunigen. Für Tierversuche brauchte es im Genehmigungsverfahren eine strenge Prüfung auf Notwendigkeit des Versuchs, auf die Ersetzbarkeit und auf die ausreichende Befähigung der Versuchsleiter*innen. Die Haltungsbedingungen müssen häufiger überprüft und Ergebnisse aus Tierversuchen offengelegt werden. In der Lehre müssen alle Studienfächer ohne Tierversuch und -verbrauch zu absolvieren sein.
 
Weiterführende Informationen:
 
 

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